"Kinder stärken - Paten gewinnen" - Auftaktveranstaltung am 3. August

27.06.2017

3. August 2017 von 18-20 Uhr   I   Roter Saal im Schloss 

Jonas ist acht Jahre alt und seine Mutter hat Depressionen. Manchmal schafft sie es nicht, morgens aufzustehen. Für Jonas ist das normal. Normal ist aber auch, dass mittwochs sein Pate Michael kommt und ihn abholt. Die Mittwochsnachmittage gehören Jonas und Michael, da gehen sie zusammen auf den Abenteuerspielplatz oder trinken Kakao auf dem Sofa.

Marlene ist noch ganz klein und ihre drei Geschwister auch. Ihre Eltern sind manchmal wirklich am Ende ihrer Kräfte und wünschen sich jemanden, der sie im alltäglichen Leben unterstützt und einfach für sie da ist. Dann kommt einmal die Woche und auch manchmal am Wochenende Brigitte. Sie geht mit den älteren Geschwistern auf den Spielplatz; Mama und Papa machen klar Schiff und zum Kaffeetrinken treffen sich dann alle wieder und besprechen, was es beim nächsten Mal geben wird.  

Zusammen mit dem Paritätischen Braunschweig, der Drogenberatungsstelle, dem Lukas-Werk, dem Verein Der Weg e.V. und den Frühen Hilfen, beraten durch den Kinderschutzbund, hat das Sozial- und Gesundheitsdezernat ein Konzept für ein Patenprojekt für Kinder und ihre Eltern in besonderen Lebenslagen erarbeitet: „Kinder stärken – Paten gewinnen“.  Die Kinder betroffener Eltern stehen im Mittelpunkt.

Manche Familien haben es besonders schwer durch Schicksalsschläge oder Krankheiten (z.B. psychische Erkrankungen oder Suchterkrankungen).  Wenn Eltern erkranken, leidet die ganze Familie und allen voran die Kinder. Im Angesicht der elterlichen Erkrankung werden diese Kinder auch von professionellen Stellen allzu leicht übersehen und sind durch die familiär stark belasteten Verhältnisse oftmals überfordert.  Sie leiden im Stillen, können über die Situation in der Familie oft nicht sprechen und übernehmen nicht kindgerechte Eltern-Funktionen (Parentifizierung) mit langfristig ungünstigen Folgen für das Kind.

Was kann Kinder stärken?

Die betroffenen Eltern sind sehr belastet. Damit Kinder nicht still leiden müssen und zu Randfiguren im Familiensystem werden, sind Unterstützungen von außen erforderlich. Aus der Forschung ist bekannt, dass Kinder dann mit hoch belastenden Lebensbedingungen umgehen können, wenn sie einfühlsame, zuhörende Erwachsene in ihrem Umfeld finden, denen sie sich anvertrauen können. Dies können Nachbarn, Lehrer, Angehörige, aber im Idealfall auch Paten sein! Um Scham- und Schuldgefühlen keine Chance zu geben, sollten die Hilfen (Patenmodelle) niedrigschwellig, direkt, die alltäglichen Probleme betreffend und Kind zentriert sein. Die Bedürfnisse des Kindes stehen  immer im Fokus! Es geht nicht um sozialpädagogische oder therapeutische Interventionen (dafür gibt es professionelle Stellen)! 

Was können Paten gewinnen?

„Ehrenamt/Patenschaft“ kann vieles bedeuten: Es kann sich dabei um einfache alltägliche Dinge handeln, wie das Kind zum Sportverein zu begleiten, wöchentlich einen Nachmittag etwas gemeinsam unternehmen oder um umfassendere Aufgaben wie das Betreuen der Kinder während eines Klinikaufenthaltes von Mutter oder Vater.

Paten sind ehrenamtlich tätig und sollten sich von folgenden Sätzen angesprochen fühlen:

  • Sie wollen sich für Kinder und deren Zukunftschancen engagieren
  • Sie stellen ein gewisses Maß an Zeit zur Verfügung
  • Sie verfügen über Empathie und soziale Verantwortung
  • Sie engagieren sich ehrenamtlich und ermöglichen damit diesen Kindern mehr Chancengerechtigkeit
  • Sie sind bereit, sich dafür ausbilden und einbinden  zu lassen und ihre Kompetenzen für diese Kinder einzubringen
  • Sie haben ein offenes Ohr für die Nöte, Ängste, Sorgen, aber auch Wünsche und Hoffnungen der Kinder 

Welche Aufgaben erwarten die interessierten Ehrenamtlichen?

Je nach Einsatzbereich/-projekt werden unterschiedliche Aufgaben zu erfüllen sein.  Bei dem Reiter-/Pferdehof-Projekt der Drogenberatungsstelle und dem Trampolinprojekt des Lukas Werks geht es im Wesentlichen um die verlässliche Präsenz der Kinder. Die Kinder müssen zu festgelegten verbindlichen Terminen abgeholt und zu den Veranstaltungsorten gebracht und bei den Veranstaltungen in Kooperation mit dem pädagogischen Personal unterstützend begleitet werden.

Weitergehend sind die Aufgaben für Kinder von Müttern oder Vätern mit seelischen Erkrankungen. Beim Verein „Der Weg“ können sich Paten umfassender um Kinder kümmern in Freizeitgestaltung  (Sport, Kultur, Bildung, ….)  oder aber auch, wenn die Familie durch die Erkrankung unmittelbar einen Unterstützungsbedarf hat.

Finanziert wird das Projekt vom Charity-Engagement des Lionsclub Braunschweig und der dazu gegründeten Initiative  „Eine Region für Kinder“. Daneben sind maßgebliche Unterstützer Pro Ehrenamt VW und die VW-Financial Stiftung „Unsere Kinder in Braunschweig“.

Es werden Menschen gesucht, die Zeit verschenken wollen, die unseren Kindern in Braunschweig zu Gute kommt. Mal die Kinder von zuhause abholen zu einem „Pferdeprojekt“ oder zum „Trampolinkurs“ oder für die Kinder da sein, falls ein Familienmitglied erkrankt ist. Gesucht werden ehrenamtliche Paten für drei unterschiedliche Projekte des Lukas-Werks, der Drogenberatung und des Vereins Der Weg e.V.

Nähere Informationen erhalten Sie telefonisch  unter 480 760  im Paritätischen  jeweils
Dienstag von 10 – 12 Uhr oder Donnerstag von 16 – 18 Uhr.