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UKE-Studie: Kinder leiden psychisch stark unter Corona

13.07.2020

Eine Umfrage des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) zeigt für Deutschland erstmals, wie sich die Corona-Pandemie auf die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen ausgewirkt hat. Demnach fühlen sich mehr als 70 Prozent der befragten Kinder und Jugendlichen durch die Corona-Krise seelisch belastet. Stress, Angst und Depressionen haben zugenommen. Das Risiko für psychische Auffälligkeiten habe sich fast verdoppelt.

Häufiger gereizt, mehr Süßigkeiten

Die Kinder sind laut der Studie häufiger gereizt, hätten Einschlafprobleme und klagten über Kopf- und Bauchschmerzen. Jedes vierte Kind berichtet, dass es in der Familie häufiger zu Streit komme als vor der Corona-Krise. Die Eltern geben das sogar noch häufiger an und erklären, dass Streitigkeiten öfter eskalierten. Gleichzeitig achten Kinder und Jugendliche weniger auf ihre Gesundheit. Sie essen mehr Süßigkeiten, machen weniger Sport und verbringen mehr Zeit am Handy oder vor dem Fernseher.

Für die "COPSY"-Studie wurden Kinder direkt zu den Auswirkungen befragt. Per Online-Fragebogen und in Zusammenarbeit mit Infratest dimap. Kinder zwischen 11 und 17 Jahren konnten den Fragebogen selbst ausfüllen. Für jüngere Kinder ab 7 Jahren haben die Eltern geantwortet. Es ging um Themen wie psychisches Wohlbefinden und Lebensqualität, sowie Fragen zu Schule, Familie und Freunden. Mehr als 1.000 Kinder und Jugendliche sowie 1.500 Erwachsene haben teilgenommen.

"Die Deutlichkeit überrascht"

Die Ergebnisse wurden anschließend mit Daten einer Langzeituntersuchung aus der Zeit vor Corona verglichen. "Wir haben mit einer Verschlechterung des psychischen Wohlbefindens in der Krise gerechnet", sagte Studienleiterin Ulrike Ravens-Sieberer. "Dass sie allerdings so deutlich ausfällt, hat auch uns überrascht."

Betroffen seien vor allem Kinder aus sozial schwächeren Familien. So zeigt die "COPSY"-Studie, dass ein geringes Einkommen der Eltern und beengter Wohnraum das Auftreten psychischer Auffälligkeiten bei Kindern fördern. "Mangelnde Rückzugsmöglichkeiten und fehlende Tagesstruktur führen besonders in Krisenzeiten zu Streit und Konflikten in der Familie. Wir konnten daher deutlich sehen, dass die Kinder sich vor allen Dingen dann seelisch belastet gefühlt haben, wenn die Eltern auch belastet sind und viel Stress empfinden", so Ulrike Ravens-Sieberer. Sie fordert deshalb möglichst schnell Konzepte, wie man diesen Familien helfen kann, gerade für den Fall einer zweiten Infektionswelle. Etwa über Online-Beratungsangebote, aber auch über persönliche Betreuung.

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(Quelle: ndr.de)