Neuigkeiten und Veranstaltungshinweise

Wie Nudging in der Corona-Krise helfen kann, den Sicherheitsabstand zu wahren

06.07.2020

Nudging (Synonym für anregen, lenken, formen) ist eine verhaltensökonomische Methode, bei der versucht wird, das Verhalten von Menschen auf vorhersagbare Weise zu beeinflussen, ohne dabei jedoch auf Verbote, Gebote oder ökonomische Anreize zurückzugreifen.
(Quelle:http://www.digitalwiki.de/nudging/)

Corona und ein Ende ist nicht in Sicht. Oder doch? Ganz langsam? Der thüringische Ministerpräsident Ramelow will es vormachen und setzt auf Gebote statt auf Verbote. Ein Forschungsteam unter der Leitung von Prof. Dr. Claas Christian Germelmann, der an der Universität Bayreuth den Lehrstuhl für Marketing und Konsumentenverhalten innehat, untersucht, wie der Gesetzgeber tatsächlich den Bürgern Hilfestellungen geben kann, um beispielsweise social distancing einzuhalten. Im Interview erläutert Germelmann, wie Nudging helfen kann, den Sicherheitsabstand zu wahren.

Seit Corona an der Tagesordnung ist, untersuchen Sie die ‚Entwicklung und Evaluation von Nudging-Interventionen zur Einhaltung des geforderten Sicherheitsabstands während der COVID-19 Pandemie. Was verbirgt sich, kurz gesagt, hinter dem sperrigen Forschungstitel?

Wir interessieren uns in der Forschung dafür, wie das Konsumentenverhalten vom Kontext beeinflusst wird. Unser Forschungsteam untersucht beispielsweise, wie man durch kleine Änderungen des Umfelds, in dem Konsumenten Entscheidungen treffen, positive Verhaltensweisen fördern kann. Solche Anstöße nennt man Nudges, ‚Anstupser‘ des Verhaltens. Mit unseren Nudges, die wir erforschen, möchten wir social distancing beim Anstehen in einer Warteschlange erleichtern. Sie helfen auch zu verstehen, wie eine abstandswahrende Wegeführung in belebten, barrierefreien Umgebungen funktionieren kann. Wir wollen Empfehlungen geben, wie konkrete Nudging-Interventionen in der Praxis, zum Beispiel im Handel, umgesetzt werden können.

Wie sind Sie darauf gekommen, dieses Thema zu untersuchen?

Beim Einkaufen haben Jannike Harnischmacher und Lisa-Marie Merkl, beide wissenschaftliche Mitarbeiterinnen am Lehrstuhl, sowie ich selbst beobachtet, dass Konsumenten, trotz auf dem Boden aufgemalten Linien im Supermarkt, oft den von der WHO empfohlenen Sicherheitsabstand von 1,5 Metern zu anderen Personen nicht einhalten. Der Gesetzgeber fordert jedoch Ladenbesitzer auf, diesen Mindestabstand und weitere Vorsichtsmaßnahmen zum Schutz seiner Kundschaft und Belegschaft sicherzustellen. Verstößt der Ladenbesitzer dagen, droht ihm ein Bußgeld. Aber: Bisher gibt es keine Vorgaben seitens des Gesetzgebers, welche Maßnahmen – wir sagen Nudging-Interventionen – den Kunden eine gute Hilfestellung sind, diese Forderungen auch einzuhalten. Wir untersuchen daher, welche Hilfestellungen am besten wirken.

Was ist bei den Klebestreifen auf dem Boden, die den Abstand markieren sollen, so problematisch?

Auf die gesetzgeberische Forderung eines Mindestabstandes haben zahlreiche Ladenbesitzer bereits zu Beginn der Pandemie schnell reagiert und beispielsweise mit einfachem Klebeband Abstandshalter in Form von Linien auf den Boden ‚gezeichnet‘. Eigene Beobachtungen im Vorfeld der Studie haben jedoch gezeigt: Während manche Kunden auf den Linien standen, warteten andere genau zwischen zwei Linien. Das haben wir zum Anlass genommen, Maßnahmen zu entwickeln, welche eindeutig und leicht zu verstehen sind und die Kunden in die Richtung der gewünschten Verhaltensweise ‚stupsen‘.

weiterlesen