Preisträger 2013

Lukas-Werk Gesundheitsdienste sowie die Selbsthilfegruppe Guttempler

Am 3. Dezember kamen auf Einladung des Braunschweiger Präventionsrats 120 Projektträger, Förderer, Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Verwaltung, Schule und Verbänden zur Abschlussveranstaltung im Haus der Wissenschaft zusammen, um gemeinsam auf die 20 im Aktionsjahrs Sucht "Klar. Unabhängig. Löwenstark." durchgeführten Projekte zurückzublicken. Krönender Abschluss war die Verleihung des mit 2.000 € dotierten 3. Braunschweiger Präventionspreises an die Lukas-Werk Gesundheitsdienste sowie die Selbsthilfegruppe Guttempler.

Die Preisverleihung durch den Braunschweiger Präventionsrat begründet sich wie folgt:

  • Beide Initiativen waren Teil des Aktionsjahrs Sucht 2013 „Klar. Unabhängig. Löwenstark.“
  • Das Konzept „Trampolin“ wurde nicht durch den Projektträger entwickelt (s. http://www.projekt-trampolin.de/), sondern findet in Braunschweig durch das Lukas-Werk seine Umsetzung. Der Verdienst des Preisträgers liegt darin, dass er mit dem Angebot „Trampolin“ in Braunschweig eine Bedarfslücke schließt: das spezifische Angebot richtet sich an Kinder aus suchtbelasteten Familien. Bisher finden durch das Gruppenangebot ausschließlich Kinder zusammen, bei denen sich ein Elternteil aufgrund seiner Suchterkrankung innerhalb der Einrichtung in Behandlung/Therapie befindet. Die Lukas-Werk-Gesundheitsdienste stehen jedoch bereits mit dem Jugendamt, Jugendhilfeträgern und Ärzten in Kontakt, um das Angebot bekannter zu machen und somit auch für andere Kinder zu öffnen.
  • Frau Karin Schulz und den Guttemplern ist es zu verdanken, dass sie mit ihrer Veranstaltung (Vortrag mit anschließendem fachlichen Austausch) die Relevanz des Themas hervorgehoben haben: Studien gehen davon aus, dass in Deutschland etwa jeder 10. Mensch direkt oder indirekt von Sucht betroffen ist. Rechnen wir die Zahl auf den Bevölkerungsanteil von Kindern und die Größe Braunschweigs herunter, wird deutlich wie gegenwärtig das Thema ist. Besonders drastisch müssen solche Berechnungen wirken, wenn man sich vor Augen führt, dass Kinder im System einer Suchterkrankung mehrfach benachteiligt und um das 8fache gefährdet sind, selber süchtig zu werden. Sie leiden unter der Erkrankung von Vater oder Mutter, sind verunsichert und geraten in schädliche Rollenmuster. Kurzum: Diese Kinder sind mehrfach benachteiligt- sie benötigen Unterstützung und eine Lobby!
  • Die Guttempler zeichnet ein hohes persönliches Engagement aus: Sie sind seit Jahren innerhalb des Arbeitskreises Suchtprävention in einem fachlichen Austausch eingebunden, an einer Vielzahl an gemeinsamen Veranstaltungen beteiligt (Jugendfilmwoche, Schulveranstaltungen, Aktionstag „Sucht“ u.a.) und aktuell im Begriff, Kooperationen für ein ergänzendes Gruppenangebot für Kinder zu knüpfen.
  • Die Initiativen beider Einrichtungen zielen darauf ab, rechtzeitig Hilfe anzubieten: Die Maßnahmen wirken präventiv. Für Kinder ergeben sich hieraus Möglichkeiten, sich über eigene Erfahrungen auszutauschen, Tabus zu überwinden und in der Gemeinschaft Positives zu erleben. Sie erfahren Bestätigung und werden darin bestärkt, selber ein suchtfreies Leben zu führen.
  • „Sucht“ hat System. Beide Einrichtungen wissen um das Wechselspiel zwischen betroffenen Eltern und ihren Kindern: Kindern ein Angebot zu unterbreiten bedeutet, Eltern darin zu unterstützen, den eigenen Weg zur Gesundung zu bewältigen. Kindern zu helfen, macht also doppelt Sinn und ist überdies effizient.
  • Hierbei stehen die Projektträger vor einer schwierigen Aufgabe, leise und laute „Töne“ richtig zu treffen: Einerseits müssen sie einen geschützten Rahmen vorhalten, einen Zugang sowohl bei den Eltern als auch bei den Kindern finden, Vertrauen herstellen und rechtfertigen, Bloßstellungen vermeiden und dazu beitragen, Schamgefühle zu überwinden. Andererseits gilt es, mit Tabus zu brechen, ein Thema öffentlich zu machen, zu informieren, zu sensibilisieren und die Notwendigkeit eines spezifischen Hilfeangebots herauszustellen.
  • Die gemeinsame Auszeichnung eines freien Trägers der Suchthilfe auf der einen und einer Selbsthilfeorganisation mit Ehrenamtlichenstruktur auf der anderen Seite, ist in gewissem Sinne auch ein Signal: es geht um eine Vielfalt an Ansätzen, Strategien und Angeboten einerseits und um die Bündelung langjähriger Erfahrungen zweier etablierter Träger der Suchthilfe andererseits.
  • Die Preisträger haben angekündigt, ihr Angebot für Kinder auch nach dem Aktionsjahr aufrechtzuerhalten, weiterzuentwickeln und dauerhaft zu etablieren. Hierfür bedarf es eines fortgesetzten fachlichen Austauschs, nachhaltiger Strategien und auch finanzieller Unterstützung. Die bereits bestehende Netzwerkarbeit im gut funktionierenden Arbeitskreis bietet gute Voraussetzungen für eine interdisziplinäre Zusammenarbeit und Einbindung weiterer Partner.
  • Das Aktionsjahr war Ausgangspunkt und die Initiative beider Preisträger für den Arbeitskreis Suchtprävention das Startzeichen: Es deutet sich an, dass der Arbeitskreis Suchtprävention in 2014 einen Schwerpunkt auf die Thematik „Kinder in suchtbelasteten Familien“ setzen wird. Angedacht ist bereits eine Fachtagung oder ein vergleichbarer fachlicher Austausch. Der Braunschweiger Präventionsrat wird diese Initiative sicher unterstützen.